Archipelische Räume

Wenn wir in vormaligen Geschäftsräumen der Innenstadt für einige Zeit gastieren dürfen, dann bedeutet das, unser kulturelles Engagement kann an einer Schnittstelle zwischen privatem und öffentlichem Raum eingerichtet werden.

Das heißt ferner, Zugangsschwellen zu künstlerischen Angeboten werden abgesenkt. Ich halte das nun nicht für ein rasend prominentes kulturpolitisches Argument. Es ist ein ganz unaufgeregt darstellbares Stück Kontinuität im geistigen und kulturellen Lebens eines Gemeinwesens.

Erst wenn das räumlich und zeitlich eine höhere Dichte erlangt, wenn also derlei Räume in Kontinuität bespielt werden, darf ich annehmen, daß sich Effekte anbahnen. Sie sehen, ich formuliere mögliche Ergebnisse sehr zurückhaltend.

Marktschreierei schadet uns. Wenn kulturelle Wirkungen behauptet werden, die sich nicht belegen lassen, beschädigen wir eigene Grundlagen. In der Kunst handeln wir nicht nur, aber in sehr hohem Maß mit symbolischen Gütern.

Die müssen wahrgenommen und anerkannt werden, um rezipiert werden zu können. Erst dann zeichnen sich mögliche Vorteile für das Gemeinwesen ab, die sich aus der Befassung mit Kunst ergeben können. Wer sowas bloß vorschnell behauptet, blockiert die Rezeption.

Ich meine, es verhält sich damit ähnlich wie mit Österreichs Neutralität. Sie ist ein symbolisches Gut. Erst wenn sie a) glaubhaft ist und b) sich als nützlich erweist, kann sie ihre Vorteile entfalten. Wo aber liegt die Nützlichkeit der Kunst? Bestimmt nicht in sozialen und politischen Reparaturschritten, falls jemand in unserer Gesellschaft Defizite ortet. („Kunst um zu…“ ist keine!)

Kunst bedeutet für mich auf der Publikumsseite erst einmal das Angebot von Wahrnehmungserfahrungen. Mehr müßte sie nicht sein. Aber sie könnte dann auch noch Anlaß für Denkprozesse sein. Das über einige Fenster auch auf der Straße anzubieten ist ein solches Engagement wert.

Drei Räume, Stand Juni 2026


Das Einraum-Foto stammt von einer Ausstellung im August 2009.

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