Social Media: Netiquette

Ich bin aktiver Künstler, zugleich Vorstandsmitglied jenes Trägervereis, der dem Archipel eine formelle Struktur gibt.

Überdies gehöre ich zu den frühen Akteuren der österreichischen Netzkultur. Daher kenne ich den steirischen Kulturbetrieb in seinen verschiedenen Ausprägungen seit rund 50 Jahren in teilnehmender Beobachtung.

In all dem staune ich noch immer, daß a) niemand in meinem Milieu die Social Media hat kommen gesehen und b) das Ausmaß der Effekte dieser Neuerung mutmaßlich nach wie vor unterschätzt wird. In all dem erlebe ich ein spezielles Phänomen.

Menschen wie unsere Archipel-Community bauen kontinuierlich an einer Internetpräsenz im Sinn der erwähnten Netzkultur. Unter anderem, um damit ein wachsendes Publikum anzusprechen. Das verlangt redaktionelle Arbeit und Kontinuität. Das bedeutet: Inhalte! Inhalte! Inhalte!

Auf diesem Weg nehmen Momente zu, die zeigen sich folgendermaßen. Jemand grast sein Umfeld ab, was zum eigenen Thema alles an Gruppen und Leisten da ist, haut dann möglichst überall sowas wie knappe Postwurfsendungen mit Eigenwerbung rein. Zack! Fire and forget!

Keine Ahnung von Netiquette. Kein weiterer inhaltlicher Beitrag. Nichts Anregendes oder mindestens irgendwie Geistreiches für ein vorhandenes Publikum. Bloß Selbstrepräsentation via Waschzettel.

Die kaltblütige Durchökonomisierung aller Lebensbereiche findet natürlich auch im Kulturbereich statt und der Hang zur Selbstoptimierung begünstigt anscheinend schlechtes Benehmen.

Ich habe mir als Moderator verschiedene Online-Bereiche angewöhnt, erst einmal für einen dezenten Hinweis zu sorgen, wenn jemand mit solchen Manieren vorbeischneit, um seine Werbebotschaft reinzuschmeißen. Wenn nötig, werde ich deutlicher mit dem Hinweis, daß unser Terrain im Web keine Kleinanzeigen-Schutthalde für Durchreisende ist.

Lustig, daß manche Rookies dann unwirsch werden und mich anrempeln. Würden sie das als Gast bei mir zuhause auch tun? Sicher nicht. Und im Web? Nicht lange. Moderatoren haben einige Werkzeuge, sowas abzustellen oder auch jemanden wegzuweisen.

Beitrag teilen: