Kontraste

Petra Schwarz ist Psychologin mit einem Faible für sehr viel schnellere Autos als jene Klassiker von Austro-Daimler, vor denen wir da standen. In jenem Moment sagte sie zum Fotografen: „Sollen wir näher zusammenrücken?“ Darauf ich zu ihr: „Kommt drauf an, wie viel Abstand du brauchst.“ Sie zu mir: „Bei dir nicht so viel.“

Damit hat es eine besondere Bewandtnis. Schwarz lebt im Autismus-Spektrum. Das bedeutet, sie hat eine grundlegend andere Wahrnehmung als ich, vor allem sehr viel durchlässigere Filter. Was immer um sie herum geschieht, flutet ihre Sinne wesentlich radikaler als meine. (Darum ist auch körperliche Distanz ein Thema.)

Ein Fachbegriff dafür lautet Neurodivergenz. Ich übersetze das schlicht mit „Anderssein“. In ihrem Fall nicht bloß kulturell, sondern eben auch physiologisch. Aber das ist für mich unerheblich. In der realen Begegnung ist es letztlich so: Ich habe es mit jemandem aus einer anderen Ethnie zu tun.

Würde ich mit einer Maori, einem Xhosa oder einer Tibeterin beim Kaffee sitzen, bestünde da die genau gleiche Notwendigkeit, auf unterschiedliche Konventionen, Umgangsformen und Codes zu achten. Wir wären auf dieselbe Art erst einmal unsicher, einander richtig zu verstehen, wo es auf Kontext ankommt.

Andere Ethnie, andere Etikette. Ergo andere Reaktionsweisen in manchen Situationen, denn wir haben jeweils andere emotionale und soziale Erfahrungen gemacht. Dem steht dann ihr sehr leistungsfähiger Verstand gegenüber, eine Emotionalität, die ich eben nicht sicher durchschaue, und genau das, was ich an geistreichen Menschen im Kulturgeschehen suche.

Eine andere Art die Welt zu sehen und zu erleben, als ich es gewohnt bin. Denn was in mir vorgeht, kenne ich ja. Sich nur damit zu befassen wäre Stagnation. Siehe zu diesem Thema auch: „Atlantis“ (Die Praxis des Kontrastes)!

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